Von Elefanten und Bäumen - Lernen im Da_Zwischen-Raum

Von Gastbeitrag, 11 Dezember, 2020
Blick in den Sonnenuntergang, Umrisse von Bäumen und einem Elefanten sichtbar

Ein Gastbeitrag von Tobias Wiegelmann, Diakon im Erzbistum Köln, voller Hoffnung auf die Kirche im Digitalen Raum und Teil der Netzgemeinde Da_Zwischen. Ein Text über die Möglichkeiten Digitaler Kirche. 

Als ich ein Kind war (keine Angst, ich zitiere jetzt nicht den Apostel Paulus) wurde mir die Welt oftmals in Form von Liedern nahegebracht. Und während ich hier sitze und über die Netzgemeinde Da_Zwischen nachdenke, bei der ich seit dem Frühjahr mitgestalten darf, geht mir eines dieser Kinderlieder nicht mehr aus dem Kopf.

Der Text geht so: 

Was müssen das für Bäume sein
Wo die großen Elefanten spazieren gehen
Ohne sich zu stoßen?
Links sind Bäume, rechts sind Bäume
und dazwischen Zwischenräume
Wo die großen Elefanten spazieren gehen
Ohne sich zu stoßen!

Ich bleibe hängen, am Zwischenraum, oder vielleicht besser am „Da_Zwischen“ - Raum. Die Netzgemeinde Da_Zwischen ist ein gemeinsames Projekt von vier katholischen Bistümern. Im Vertrauen darauf, dass Gott überall da wirksam ist, wo Menschen sich begegnen, schaffen wir Erfahrungsräume in verschiedenen Messengern, Kirche für die Hosentasche.

Je länger ich darüber nachdenke und je länger der Text dieses Kinderliedes in meinem Kopf rotiert, umso mehr mag ich dieses Bild. In der Netzgemeinde lernen wir gemeinsam neu, Kirche zu sein. 

Auf Kurs bleiben?

Ich stelle mir eine Elefantenparade vor, so wie die aus dem Dschungelbuch. Ein Leitelefant geht voran und hinter ihm, Rüssel an Schwanz, die gesamte Frühpatroullie. Damit die folgsamen Elefanten nicht aus der Spur geraten gibt es Bäume. Rechts und Links. Sie halten die Elefantenparade auf Kurs. So kennen wir die Kirche. Leitfiguren, die die Richtung weisen, rechts und links Schlagbäume, die die Grenzen des Weges markieren.

Links sind Bäume, rechts sind Bäume. Und dazwischen: Zwischenräume. Auch zwischen den Bäumen gibt es Räume, rechts wie links. Diese Zwischenräume sind wichtig. Ohne Sie würde kein Licht auf den Weg fallen. Ohne Sie könnte man vom Weg nicht nach draußen schauen, die Weite in den Blick nehmen. Ohne sie hätten die einzelnen Bäume keine Luft zum atmen, wären eine starre, tote Wand.

In diesen Zwischenräumen lernen wir miteinander Kirche zu sein. Dazu müssen wir uns immer wieder begegnen. Dazu müssen wir bereit sein, unseren starren Blick zu verlassen, der nur eine Richtung kennt. Wir müssen nach rechts und nach links schauen und die Weite in den Blick nehmen. 

Da_Zwischen durch die Woche

Ein wichtiger Zwischenraum ist für uns die Woche. Jeden Montag gibt es einen Impuls in die Woche hinein, am Freitag sammeln wir das Ge- und Erlebte in einem zweiten Beitrag wieder ein. Und da_zwischen? Da_Zwischen ist Zeit und Raum, den Impuls wirken zu lassen. Zu hören, was die Geistkraft im Alltag aus diesem Impuls macht. Und dann am Ende zu staunen, wie das gesammelte Erleben der Woche, die Eindrücke Anderer mit meinem Erlebten in Beziehung stehen. 

Das hat natürlich zur Folge, dass für uns Gestaltende am Montag noch nicht planbar ist, was am Freitag passiert. Wir ahnen eine Richtung, aber nicht selten kommt es anders... Am Ende sind wir selber immer wieder beschenkt von dem, was im Laufe einer Woche gewachsen ist. Auf diese Wiese entstand zum Beispiel unser gemeinsames Jesusbild, ein Versuch, die Gestalt Jesu in unsere heutige Zeit zu übersetzen. 

Raum für die Geistkraft

Wenn gemeinsames Lernen ein geistgewirkter Prozess sein soll, dann braucht es Zwischenräume. Dann braucht es Zeiten, die ohne Impuls und Input sind. Die davon leben, das Gehörte oder Gelesene wirken zu lassen. So, wie es schon Ignatius von Loyola gesagt hat: „Nicht das Vielwissen sättigt die Seele und befriedigt sie, sondern das Verspüren und Verkosten der Dinge von innen her.“